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Alpine Achterbahn



Alpine Achterbahn
25. Juli - 02. August 2011






Motivation: "Dann wollen wir heute mal ein bisschen Fahrrad fahren".
(Helmut H. vor der großen Runde bei der RTF in Werl 2011)

Niveau: "Irgendwo zwischen Rentner und Racer… aber sportlich".
(Wolfgang K. über die neue Trainingsgruppe des RSV Hansa Soest)

Letzte Frage: "Kann man eigentlich den ganzen Tag Gegenwind haben,
auch wenn man in alle vier Himmelsrichtungen fährt?"
(Der Autor nach der ersten Etappe von Lienz nach Cortina d’Ampezzo)





Einleitendes

Bei meiner Tour im letzten Jahr konnte ich zwei mir wichtige Ziele nicht anfahren: die Drei-Zinnen-Hütte bei Toblach und die Franz-Josephs-Höhe an der Großglockner-Hochalpenstraße. Grund genug diese Ziele in diesem Jahr noch einmal anzugehen, weshalb ich von Lienz aus meine Route plante. Um es vorwegzunehmen: Beide Unternehmungen scheiterten wie im letzten Jahr - aus den gleichen Gründen: Zeitnot am Passo Tre Croci, von wo die Straße zur Drei-Zinnen-Hütte abzweigt, und das Wetter am Großglockner. Ansonsten konnte ich meine Streckenplanung einhalten: eine Schleife nach Westen durch die Dolomiten, eine Schleife nach Osten durch das Salzburger Land und zwei eintägige Rundfahrten, was eine schöne 8-erbahn ergibt.

Die nötigen Informationen zur Routenplanung erhielt ich hauptsächlich von Kurt Mair, der "Die Hochstraßen der Alpen" seit 1930 (1. Auflage) bereist und jeden der ca. 300 Alpenpässe als "Automobilist" aufs Genaueste beschreibt. Die mir vorliegende 8. Auflage von 1962 listet, denke ich, so gut wie alle Alpenübergänge auf. So wird selbst der erst 1961 fertig gestellte Col de la Bonette erwähnt, der eigentlich keine Pass-Straße ist, aber mit 2802 m den französischen Wunsch nach einem Höhenrekord befriedigt. Meines Wissens wurde seit 50 Jahren keine neue Pass-Straße mehr gebaut, moderne Talverbindungen gehen heutzutage unterirdisch.

Als Kartenmaterial dienten mir die "ADACmotorradtouren" "Trentino, Dolomiten, Gardasee" und "Österreich". Und Motorradfahrer waren so viele unterwegs, wie ich es zuvor noch nicht erlebt habe: wahrscheinlich habe ich die Kernzeit des Motorradtourismus’ erwischt. Außerdem werden Motorradtouren in eigenen Broschüren beworben: "Fahrerlebnis auf Österreichs Motorrad-Traumstraßen: Großglockner Hochalpenstraße, Nockalmstraße, Gerlos Alpenstraße und Villacher Alpenstraße". Da ist es nicht verwunderlich, dass es manchmal, besonders in Tunnel, sehr laut wird und da helfen auch die besten Kopfhörer wenig.





Montag 25. Juli: Soest - Lienz

Die Anreise per PKW ist unkompliziert: Fahrrad, Packtaschen und Campingausrüstung werden reisefertig zum Startort Lienz verfrachtet. Dort erwartet mich jedoch eine schöne Überraschung: Ohne danach gefragt zu haben, erfahre ich bei meinem Anmeldeversuch auf dem recht schön gelegenen Zeltplatz am Tristacher See, dass ich keinen Radlerrabatt erwarten dürfe. Die Frage nach dem Grund bleibt unbeantwortet. Stattdessen verlangt ein streng blickender Herr mit seinem ca. 23 Jahre alten Sohn in kurzen Hosen für "1 Mann, 1 Zelt, 1 Rad", so meine Anmeldung, fast 25 Euro. Da ich nach meiner ersten Schleife und am Ende meiner Gesamttour noch mehrere Camping-Übernachtungen in Lienz geplant habe, erscheint mir der Preis entschieden zu hoch. So wähle ich dann den strategisch besser, weil direkt am Radweg nach Toblach und näher an Lienz gelegenen Zeltplatz "Amlacherhof" mit Swimmingpool und gutem Service, der mich weniger als die Hälfte kostet und wirklich empfehlenswert ist.

Als Allein-Reisender ist man auch für die humoristische Seite der Reise verantwortlich. Das Erlebnis auf dem Zeltplatz verbuche ich in der Rubrik Skurriles & Idiotisches und hoffe, dass ich weitere Erlebnisse aufzeichnen kann.





Dienstag 26. Juli: Lienz - Cortina d’Ampezzo
Staller Sattel, Passo Cimabanche
(Strecke: 118,5 km - HM Auffahrt: 1812 m - HM Abfahrt: 1717 m)

Der strahlende Sonnenschein suggeriert angenehme Temperaturen. Weit gefehlt: Kurz hinter Lienz benötige ich schon ein Wintertrikot über meinem normalen. Beim Aufstieg zum Staller Sattel überholt mich ein (noch) älteres Pärchen - mit Elektrobikes. Ich nehme mir vor, die Fahrer mit Aufstiegshilfen zu zählen - ist das der neue Trend? -, aber sie bleiben die einzigen, die ich sehe. Auf der Passhöhe ist Warten angesagt, denn eine Engstelle führt dazu, dass die Befahrung in beiden Richtungen nur jeweils 15 Minuten pro Stunde möglich ist. Die Abfahrt ins Antholzer Tal verläuft vor allem im mittleren und unteren Teil auf geraden Straßen, sodass 70 km/h mehrmals überschritten werden. Bis Toblach geht es über fast 20 km wieder in entgegengesetzter West-Ost-Richtung. Auf der schmalen Bundesstraße ist starker Verkehr, viele LKWs überholen mit geringem Abstand. Als ich den parallel geführten Radweg erwische, wird die Fahrt angenehm. Allerdings ist es ein stetiges Auf und Ab und der Gegenwind tut sein Übriges.

Blick ins Antholzer Tal





Es ist stark bewölkt, kühl und windig. Ein Wirt in Toblach ist wetterkundig und weiß, wovon er spricht: "In den Dolomiten wird das Wetter bestimmt nicht besser".
Ein ausgeschildeter Weg weist nach Cortina d'Ampezzo. Ohne größere Anstrengungen geht es über den Passo Cimabanche zum Tagesziel.





Mittwoch 27. Juli: Cortina d’Ampezzo - Canazei
Passo d. Falzarego, Campolongo, Grödner Joch , Sella Joch
(Strecke: ca. 90 km - HM Auffahrt: ca-3000 m - HM Abfahrt: ca.3000 m)

Bei kühlem, aber sonnigem Wetter geht es direkt steil auf die 4-Pässe-Tagestour. Zu Beginn ist es eine Genussfahrt, ich werde von anderen Radlern eingeholt, man tauscht sich aus und fährt gemeinsam nach Arabba, wo sich die Wege trennen. Am Campolongo wird es frischer, die ersten Regentropfen fallen. Doch bis auf das Grödner Joch hält sich das Wetter passabel. Nach einer Pause verpacke ich mich wetterfest, weil es mittlerweile in Strömen regnet. Nach der Abfahrt und der folgenden Überquerung des Sella Jochs finde ich in Canazei sofort an der Ortsgrenze eine Pension. Es gibt Bier, eine Dusche, ein wohliges Bett und einen Fön, mit dem ich meine Schuhe trockne, weil ich vergessen habe, sie in Plastiktüten o. Ä. einzupacken.


Donnerstag 28. Juli: Canazei – Lienz
Passo di Fedaia. Passo Giau, Passo Tre Croci
(Strecke: ca. 120 km - HM Auffahrt: ca. 2300 m - HM Abfahrt: ca. 3000m)

Heute geht es zunächst über zwei recht unbekannte Pässe, auf denen kaum Verkehr existiert und die landschaftlich besonders attraktiv sind. Von Canazei im Fassatal (Provinz Trentino) gelangt man über den Passo di Fedaia nach Malga Ciapela (Provinz Belluno) am Fuße der Marmolata. In etwa auf Passhöhe liegt der Stausee Lago Fedaia. "Eine Besonderheit des Stausees ist, dass er an beiden Enden je eine Staumauer hat." (Wikipedia)

Ein echtes Highlight bietet der Passo Giau, der mit 2233 m zu den höchsten Dolomitenpässen zählt. Da ich die Abzweigung in die Pass-Straße verpasst habe, weil aus meiner Richtung kommend kein Hinweisschild existiert, und ein paar Zusatzkilometer strampele, frage ich, um sicherzugehen, dass ich nicht wieder vorbeifahre, mehrmals Einheimische nach dem Weg. Jeder, der mir den Weg zeigt, fügt hinzu, dass der Pass und der Weg hinauf "bello" seien. Nach knapp 1000 HM ist man am Ziel. Aber: Wo bleibt die Sonne, wo ist die klare Sicht?

Von der Passhöhe gibt es (bei schönem Wetter) einen der schönsten Panoramablicke der Alpen





Wieder zu spät auf dem Passo Tre Croci; die Drei-Zinnen-Hütte als Ziel wird erneut verschoben. Ab jetzt geht es bis auf wenige Gegenanstiege fast 60 km abwärts bis Lienz. Auf dem Campingplatz erkennt man mich wieder, ich erhalte den gleichen Standplatz.





Freitag 29. Juli: Lienz - Lienz
Gailbergsattel, Katitscher Sattel
(Strecke: ca. 130 km - HM Auffahrt: ca. 1400 m - HM Abfahrt: ca. 1400 m)

Eigentlich ist aktive Erholung ohne Gepäck angesagt. Eine überschaubare Rundtour ohne spektakuläre Anstiege, so sieht es auf der Karte aus. Von Lienz nach Oberdrauburg führt ein steigungsfreier Radweg an der Drau flussabwärts. Der Gailbergsattel mit ca. 350 HM ist schnell bewältigt. Die Fahrt durch das Lesachtal von Kötschach bis zur Hauptstraße von Sillian nach Lienz ist jedoch anspruchsvoller als gedacht. Besonders die vielen kleinen 'giftigen' Abfahrten und Anstiege an den Taleinschnitten summieren sich. Nach dem Kartitscher Sattel auf 1525 m Höhe ist allerdings die Arbeit getan. Es geht nur noch abwärts bis Lienz. In der Stadt findet das jährliche "Internationale(s) Straßentheater Festival Lienz" statt. Das Gedränge erinnert an die Soester Kirmes.

Samstag 30. Juli: Lienz - Bruck
Iselsberg, Großglockner Hochalpenstraße, Kaprun
(Strecke: ca. 110 km - HM Auffahrt: 2700 m - HM Abfahrt: ca. 2500 m)

Es ist kühl und trübe, wettermäßig werde ich mich stark an das Vorjahr erinnert. Diesmal habe ich allerdings mein Gepäck dabei. Über den Iselsberg gelange ich ohne Probleme, auch weil mich ein Rennradler aus reiner Geselligkeit nach meinem Weg befragt und mich dann davor bewahrt, weiter in falscher Richtung zu fahren. So bleibt es bei einem Kilometer Umweg. In Heiligenblut lege ich eine Pause ein und genieße einen Cappuccino im Freien. Bei relativ gleichbleibender Steigung geht es an der Mautstelle vorbei zum Hochtor auf 2505 m. Hier hat jedoch schon der Winter Einzug gehalten. Einige Touristen veranstalten Schneeballschlachten, während es langsam zu regnen beginnt. Ich verpacke mich wetterfest, auch weil ich annehme, dass es nur noch talwärts geht. Doch die Abfahrt wandelt sich schnell in einen schweißtreibenden Gegenanstieg zum Fuscher Törl. Langsam regnet es sich ein, die weitere Abfahrt findet im Starkregen statt. In Bruck ist Erholung angesagt. Der Gastwirt überredet mich zu einer Hotelübernachtung. Da es noch hell ist, radele ich noch ins benachbarte Kaprun und von dort hoch zur Talstation der Kitzsteinhorn-Bahn.

Hochsommer am Hochtor





Sonntag 31. Juli: Bruck - Mauterndorf
Filzensattel, Dientner Sattel, Radstätter Tauernpass
(Strecke: ca. 130 km - HM Auffahrt: ca. 1800 m - HM Abfahrt: ca. 1400 m)

Abseits der Hauptstraße geht es vorbei am Zeller See. Eigentlich hat man eine beste Sicht auf die Gletscher des Kitzsteinhorns, aber alles verblasst im Nebel.
Filzensattel und Dientner Sattel sind eigentlich unspektakuläre Höhen, sind aber mit bis zu 14% 'auch nicht ohne'. Toll sind die Ausblicke auf den Hochkönig, den man zwischen Dienten und Mühlbach passiert. Über Bischofshofen und Radstadt sind ca. 40 langweilige Kilometer abzuspulen. Nach der Abzweigung zum Tauernpass genehmige ich mir noch eine Pause und lande, in Ermangelung einer Alternative, in einem Golfhotel.
Die Auffahrt zur Passhöhe in Obertauern ist mir unter winterlichen Bedingungen bekannt. An einer engen Schlüsselstelle sind 15% Steigung zu bewältigen. In Obertauern selbst sieht man nur vereinzelte Touristen, kein Vergleich zum Winter-Skizirkus. Es folgt eine 17 km lange Abfahrt. Im Winter ein munteres Skistädtchen mit schöner Innenstadt und malerischer Burg ist Mauterndorf im Sommer völlig verwaist. Der 2 km außerhalb liegende Campingplatz ist leer, ich entscheide mich, in einem Hotel zu übernachten.





Montag 01. August: Mauterndorf - Mauterndorf
Turracher Höhe, Nockalmstraße mit Eisentalhöhe und Schiestelscharte, Schönfeld
(Strecke: ca. 130 km - HM Auffahrt: 3200 m - HM Abfahrt: 3200 m)

Diese Runde beschäftigt mich seit etlichen Jahren. Bei jedem Skiurlaub im Lungau, also fast jedes Jahr fahre ich die Strecke in Gedanken ab.
An Tamsweg vorbei geht es kontinuierlich mit der Mur, die später in die Drau mündet, abwärts. Bei Predlitz beginnt die Zufahrt zur Turracher Höhe. Nach gemächlichem Beginn wird die Auffahrt bis zur Höhe immer steiler, bis max. 12%. Auch hier ist der Sommertourismus gering, während im Winter der Skirummel mit allen Schikanen brummt. Die Abfahrt nach Süden ist mit bis zu 26% extrem steil. Kurz nach der Einfahrt in die Nockalmstraße bei Reichenau wird auch schon kassiert, aber auch hier bleiben Radler verschont. Die Berge sehen tatsächlich so aus, wie sie heißen: Nockerln sind’s, so hügelig und rund mit sanften Kuppen. Spitzen, Säulen oder Türme wie in den Dolomiten sind hier unbekannt. Trotzdem steigt die Straße an der Eisentalhöhe auf 2042 m. Nach Verlassen der Nockalmstraße verbietet ein Hinweisschild die Auffahrt zur Schönfeld Höhe: Bergsturz, die Straße ist unpassierbar. Panik: Es ist schon spät, ich müsste auf 10 km mindestens weitere 500 HM bergab, um dann auf der Katschberstraße in den Lungau zu gelangen, bei Tageslicht kaum zu schaffen. Außerdem drohen bis zu 21% Steigung. Ich befrage zwei Einheimische, die nichts wissen, dann klopfe ich bei einem Privathaus an: Für Autos ist die Straße nicht befahrbar, mit dem Fahrrad sollte man durchkommen, lautet die erlösende Antwort, auch wenn eine Restunsicherheit bleibt. Ich mache mich an den Anstieg. Tatsächlich hat ein Bergrutsch fast die gesamte Straße verschüttet. Schiebend komme ich an der Gefahrenstelle, die kurz unterhalb der Schönfeld Höhe auf ca. 1700 m liegt, vorbei.
Wenn ich jetzt auf einer Lungau-Karte im Maßstab 1:70000 die Wege über den Katschberg und über Schönfeld vergleiche, stelle ich fest, dass ich nur ein paar Kilometer Länge, aber doch mindestens 400 HM gespart habe.





Dienstag 02. August: Mauterndorf - Lienz
Staller Sattel
(Strecke: 150 km - HM Auffahrt: ca. 1000 m - HM Abfahrt: ca. 1500 m)

Nach der Abfahrt von Mauterndorf bei klarem Himmel und sehr frischen Frühtemperaturen beginnt der Aufstieg zur Schönfeld Höhe, heute von Norden nach Süden. Am Bergrutsch wird gearbeitet. Ein Radler hilft mir, das Fahrrad durch die Baustelle zu tragen, damit ist auch der letzte Anstieg bewältigt. Tatsächlich gibt es auf der letzten Etappe dann doch zum ersten Mal Sonnenschein mit annähernd sommerlichen Temperaturen. Bis Kremsbrück geht es nur abwärts und schnell ist man - dieser kleine Abstecher lohnt - am Millstätter See, in dem fleißig gebadet wird. Die letzten knapp 80 km über Greifenburg und Oberdrauburg geht es weitgehend steigungsfrei und zumeist auf dem von der Straße unabhängig angelegten Drau-Radweg nach Lienz.

Als Allein-Reisender hat man auch viel Zeit zum Nachdenken: Wie viel Radlerrabatt ist mir eigentlich auf dem Zeltplatz am Tristacher See vorenthalten worden, zwei oder drei Euro? Und: War dem Sohnemann die Vorstellung seines Papas eher peinlich oder vertritt er die gleiche Meinung? Da ich in der Nähe vorbeikomme, nehme ich die ca. 150 HM in Kauf, um diese beiden Fragen einer endgültigen Klärung zuzuführen. Diesmal ist Sohnemann alleine und präsentiert sich in Wort und Bild (lange Hose, Aktentasche) als BWL-Student im 3. Semester: Einen Radlerrabatt dürfe ich auch diesmal nicht erwarten und über die Höhe wolle er mir keine Auskunft geben. Da ihm sehr schnell klar wird, dass ich es gar nicht auf eine Übernachtung auf seinem Campingplatz anlege, trennen sich unsere Wege. So fahre ich denn, wenn auch nicht schlauer, so doch in bester Stimmung zu 'meinem' Zeltplatz.

Am Ziel: Vor dem Zeltplatz "Amlacherhof" Blick auf die Lienzer Dolomiten





Nachtrag

Zwei Wochen später starte ich wochentags vor 8.00 Uhr in Prad, um auf das Stilfser Joch, mit 2760 m Höhe einer der höchsten asphaltierten Pässe der Alpen, zu fahren. Außer ein paar Autos, die nach ca. vier Kilometern nach Sulden abzweigen, gibt es kaum Verkehr, das erste Motorrad überholt mich erst hinter Trafoi, Tendenz jedoch zunehmend. Insgesamt war es eine sehr angenehme Auffahrt bei strahlendem Himmel und herrlichsten Aussichten in die Gletscher des Ortler. Dazu kommt das Panorama auf der Passhöhe; so etwas sollte man erleben. Die Abfahrt erfolgt über den weniger befahrenen Umbrail-Pass, der in Sichtweite liegt. Durch das schweizer Münstertal gelangt man wieder nach Prad.

Drei Tage später fahre ich nachmittags nach einer Wanderung aufs Madritschjoch - mit 3123 m höchster Transalp Übergang für Mountainbiker - noch einmal auf das Stilfser Joch, diesmal mit dem Auto. Es sind viele Radler und Autofahrer sowie Horden von Motorradfahrern unterwegs. Pausenlos werde ich überholt, geschnitten oder ausgebremst. Ein kleiner Stau entsteht, weil ein Motorradfahrer eine enge Abwärtskehre nicht bewältigt und umkippt: Es entsteht nur Sachschaden. Die Radfahrer tun mir leid.

Es ist für Motorradfahrer gewiss ein besonderes Vergnügen, gerade auf der Stilfser-Pass-Straße die 48, teils sehr engen Kehren hinaufzufahren. Aber viele Fahrer sind überfordert und täglich passiert Folgendes fast, um Haaresbreite oder genau so:

Motorradfahrerin streift Radfahrer
TRAFOI (no). Zwei Verletzte forderte ein Verkehrsunfall auf der Stilfser-Joch-Straße bei Trafoi. Ersten Informationen zufolge streifte eine deutsche Motorradfahrerin einen niederländischen Radfahrer. Beide kamen zu Sturz und erlitten Verletzungen. Die Motorradfahrerin wurde mit dem Landesrettungshubschrauber Pelikan 1 ins Bozner Krankenhaus geflogen. Dort stellten die Ärzte Verletzungen im Bereich des Brustkorbes sowie eines Oberschenkels fest. Der leicht verletzte Radfahrer wurde mit einem Rettungswagen des Weißen Kreuzes, Sektion Sulden, ins Schlanderser Krankenhaus gebracht. Er war mit Abschürfungen und Prellungen davon gekommen.

P.S.: Während der zwei Wochen, die ich nach meiner Rundfahrt in Südtirol verbrachte, verunfallen 3 Motorradfahrer tödlich.


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