Eine Annäherung an ein Radrennen unter Zuhilfenahme des kölschen Grundgesetzes
Artikel 1
Sieh den Tatsachen ins Auge. - Et es wie et es.
128,6 km, das Höhenprofil so runzelig wie das Antlitz Heiner Geißlers (1380 Höhenmeter), 3011 Starter beim Jedermannrennen- eine Trainingsausfahrt war das sicher nicht, ein Erlebnis allemal!
Artikel 2
Habe keine Angst vor der Zukunft. - Et kütt wie et kütt.
Als alter Rheinländer und junger Rennradler war RuK irgendwie ein Muss für mich, das einzige Problem: Ostermontag ist in jeder Saison früh und die Wettervorhersage war bescheiden.
Artikel 3
Lerne aus der Vergangenheit. - Et hätt noch immer jot jejange.
Siehe da: Am Rennmorgen eitel Sonnenschein, wenn auch mit 7Grad saukalt. Aber warm werden würde mir sowieso!
Artikel 4
Jammere den Dingen nicht nach. - Wat fott es es fott.
Das Wetter passte also, über die eigene Form wollte ich lieber nicht nachdenken, blieb das Material: Die alte Gurke nehmen oder das „gute Rad“? Was, wenn dieses dem harten Rennen und den sibirischen Schlaglöchern des letzten Winters nicht gewachsen wäre? Der rennbegleitende Materialwagen wäre nur ein schwacher Trost..
Artikel 5
Sei offen für Neuerungen. - Nix bliev wie et wor.
Aus psychologischen Gründen habe ich das neuere Rad genommen- daran sollte es also nicht scheitern! Für den Falle des Totalverlustes hielt die aktuelle TOUR ja den großen Radtest 2010 parat- der Hobel hat aber brav gehalten..
Artikel 6
Seid kritisch, wenn Neuerungen überhand nehmen. - Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.
Für das Rennen einschreiben musste man sich bereits am Ostersonntag, ein Nummerschildquerschnitt der BRD parkte rund um die Radmesse, Jedermänner kamen scheinbar aus jeder Ecke! Den Werberucksack konnte man getrost zu 95% entrümpeln..
Artikel 7
Füge dich in dein Schicksal. - Wat wellste maache?
Start 9:30, Rheinauhafen Höhe Schokomuseum: Mit erhöhtem Ruhepuls ging es auf die Strecke, erstmal locker warmfahr--- FALSCH! Wie vom Teufel gejagt hetzten die Kollegen mit 50 in den Tunnel unter der Altstadt, eine Trainingsfahrt würde DAS nicht werden! Ich wie ein Lemming hinterher, vielleicht gehörte das ja so, denn: Unterwegs gab es Punkte, an denen die Zwischenzeit genommen wurde, Mindestdurchschnitt 28km/h! „Trödler“ wurden rigoros aussortiert und erhielten einen Handzettel mit Wegebeschreibung nach Hause. Da wollte ich nun nicht dazugehören.. Bis zum ersten Anstieg bei Kilometer 20 lag mein Durchschnitt bei 37km/h, im Ziel war er auf 31,4 eingeschmolzen, dem Bergischen Land sei Dank.
Artikel 8
Achte auf deine Gesundheit. - Mach et jot ävver nit ze off.
Der Massensturz bei Kilometer 50, den ich kurze Zeit später passierte, zeigte eindeutig: RTF fahren ist deutlich entspannter und einfach nur dabei sein ist vielleicht doch mehr, als manche denken! Ob es Umsicht war, Glück oder die Kerze, die ich am Vortag im Dom angezündet hatte: Ich bin jedenfalls heile geblieben und froh, Radfahren auch genießen zu können..
Artikel 9
Stelle immer erst die Universalfrage. - Wat soll dä Quatsch?
Den Verfall der eigenen Leistungsfähigkeit konnte man schön an den Bergstrecken messen, die zweimal angefahren wurden. Bergisch Gladbach-Sand (Wohngebiet, 18% Steigung, Karneval pur) bei Kilometer 37 bzw. 97 und den Anstieg über das Kopfsteinpflaster zum Bensberger Schloss bei Kilometer 45 und 105 habe ich zweimal sehr unterschiedlich erlebt- oder hat die Sauerstoffschuld mein Gedächtnis getrübt?
Artikel 10
Komme dem Gebot der Gastfreundschaft nach. - Drinkste ene met?
Einmal Meckern bitte: Das Catering beim Rennen war schlecht! Krüger sponserte mit seinen Pülverchen und sparte nicht am Eistee- sirupdick war der keine Erfrischung mehr. Wasser gab es also nur verzuckert. Kohlenhydrate hatte ich aber in loser Schüttung dabei, meine auf Maoamgröße feinsäuberlich zurechtgeschnibbelten Powerbars hätten auch für Paris-Brest-Paris gereicht. An dieser Stelle deshalb ein herzliches Dankeschön an die Gaststätte Ommerborn Klause: Dort hab ich einfach mal angehalten und die Flaschen betankt. Ob mit Wasser oder Kölsch- das wird mein Geheimnis bleiben.. J
Artikel 11
Bewahre dir eine gesunde Einstellung zum Humor. - Do laachste dech kapott.
Man erinnert sich immer nur an die schönen Dinge, zum Beispiel das Dauergrinsen im Ziel..
Meine Zeit von 4:08 Stunden finde ich absolut okay, spannend eher schon: Ich bin demütig 182. von 276 in meiner Altersklasse. Meine Hochachtung den schnelleren Hammerwerfern! Challengeverrückt bin ich nach der RuK sicher nicht, aber Berlin oder Hamburg mal über autofreie Straßen zu erradeln- das könnte man sich ja mal überlegen..
Kommt jemand mit?
nach dem Start- noch guten Mutes
rein ins Bergische Land
erster Anstieg- die Bunnies freuen sich
Anstieg Schloss Bensberg