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Radtour Polen – Slowakei- Tschechien – Deutschland vom 25.August – 05. September 2007
Heinz-Theo König, Helmut Subroweit, Josef Schäfermeier und Wolfgang Korz (Berichtverfasser) hatten in diesem Jahr für ihre Radreise wieder einmal Osteuropas als Ziel gewählt.
Sonntag 26.08. Krakau – Zdiar (Slowakei) 140 km
Bei schönstem Wetter starteten wir in Richtung Süden. Durch Krakau mit einem Blick auf die Tuchhallen und die Wavelsburg (Die Stadt hatten wir auf einer Radtour 2001 schon besichtigt) ging es auf schon bekannten Wegen in Richtung Wieliczka. Wie im Jahr 2001 haben wir es auch diesmal nicht geschafft, das berühmte Salzbergwerk zu besichtigen. Über Nowy Targ ging es weiter nach Süden. Bald waren die Berge der Hohen Tatra zu sehen und dann auch in den Beinen zu spüren. In Lysa Polana wurde die Grenze zur Slowakei überschritten. Nach vielen Höhenmetern erreichten wir Zdiar, einen kleinen Skiort auf der Südseite der Tatra. Über eine Bekannte aus Polen hatten wir hier unsere Übernachtung in einer kleinen Pension gebucht. Das junge Besitzerpaar gab sich alle Mühe uns, satt zu bekommen. Hier konnten wir uns auch noch gut in Englisch verständigen. Das wurde später anders.
Montag 27.08. Zdiar – Dedinky (Slowakisches Paradies) 140 km
Bergab fuhren wir an diesem Tag in Richtung „Zips„(Die meisten Zipser Städte stammen von deutschen Siedlungen, in der Unterzips vor allem Bergbausiedlungen ab, für die ab dem 12. Jahr-hundert, insbesondere nach dem Mongoleneinfall 1242, deutsche Spezialisten und Bergleute aus Schlesien und Mitteldeutschland von den Ungarnkönigen ins Land geholt wurden. Quelle: Wipikedia).
Kezmarok war die erste Stadt dieses Gebietes. Schöne Bürgerhäuser und ein Schloss konnten besichtigt werden. Ein Geldautomat versorgte uns mit Slowakischen Kronen. Weiter ging es dann in Richtung Spisska Nova Ves. Hier begegnete uns zum ersten Mal ein großes Problem der Slowakei. Eine Romasiedlung lag mitten im Wald. Fern jeder Stadt, kaum Infrastruktur, hatte man eine große Siedlung aus Plattenbauten und Hütten in den Wald gebaut. Es sah nicht so aus, dass eine Integration dieses Bevölkerungsanteils vorgesehen war. In Spisska Nova Ves, der Hauptstadt der 16 Zipser Städte, wurde eine längere Pause mit Kaffee und Kuchen gemacht. Wolfgangs Wunsch war eine Besichtigung der „Zipser Burgen„. Ein 50 km langer Abstecher führte uns dann nach Spissky Podhradie. Hier wurde die, als UNESCO-Weltkulturerbe eingestufte Burg, besichtigt. Zurück fuhren wir dann in Richtung „Slowakisches Paradies„, ein noch ursprünglicher Nationalpark im nordöstlichen Teil der Westkarpaten. Die letzten Kilometer verlangten alle Kräfte von uns, bis wir unser Ziel, Dedinky, ein kleiner Urlaubsort an einem Stausee auf ca. 900 m Höhe, erreichten. Eine Unterkunft fanden wir in einer Ferienwohnung, die wir für 2 Tage buchten. In dem benachbarten Lokal wurde angeblich die beste Grillforelle der Slowakei serviert. Ein objektives Urteil konnten wir nicht abgeben. An diesem Abend schmeckte uns alles.
Dienstag 28.08. Dedinky - Dedinky 0 km mit dem Rad. 30 km zu Fuß
Die Reiseräder blieben an diesem Tag in einer Garage. Wir wollten das Slowakische Paradies zu Fuß erkunden. Ohne eine richtige Wanderausrüstung, aber mit viel Vorfreude,starteten wir unsere Tour. Eine Seilbahn brachte uns auf ein Hochplateau (ca. 1100m). Auf gut ausgeschilderten Wegen suchten wir die bekannte Schlucht „Sucha Bela„, die wir (vor allem Wolfgang) durchwandern wollten. Nachdem wir den Eingang gefunden hatten, begann ein Abenteuer zu Fuß. Herabstürzendes Wasser, schmale Pfade, Leitern und un-gesicherte Trittstufen erforderten Mut und Kondition. Alles wurde gemeistert. Um 16.30 Uhr und nach 30 km erreichten wir wieder die Seilbahnstation. Leider war die letzte Fahrt 1 Minute vorher gestartet. So mussten wir noch einmal 4 km bergab zu unserer Unterkunft gehen. Das war für unsere an das Radfahren gewöhnte Muskulatur der K.o. Zum Essen und Trinken wurde noch einmal der Forellengriller aufge-sucht. Dann ging es schnell ins Bett.

Mittwoch 29. 08. Dedinky – Banska Bystrica 130 km
Bei Sonnenschein und im gewohnten Sattel sitzend verließen Dedinky. Durch die sehr steilen Berge der Niederen Tatra ging es weiter Richtung Westen. Am Nachmittag war unser Wetterglück vorbei. Starker Regen und Kälte kamen auf. Nass und durchgefroren erreichten wir Banska Bystrica, eine Industriestadt in der Mitte der Slowakei am Fluss Hron. Zeitgleich mit uns fuhren Rennfahrer der „Slowakei Rundfahrt„ ein. Sie waren genau so nass und dreckig wie wir. Am Abend sah man an allen Hotels die Betreuer beim Radwaschen und putzen. Um unsere mussten wir uns selber kümmern. Der Doping-Arzt hatte seinen Arbeitsplatz in unserem Hotel. Josef konnte mit ihm ein interessantes Gespräch führen. Nach einer Stadtbesichtigung mit Besuch eines Freiluft-Weltkriegs II-Museum ging es früh ins Bett.
Donnerstag 30. 08. Banska Bystrica – Turzovca 145 km
Nach einem erbärmlichen Frühstück (obwohl es das teuerste Hotel unserer Reise war), ging es weiter durch die Hügelland-schaft der „Velka Fatra„ in nordwestlicher Richtung nach Tschechien. Der Regen des gestrigen Tages hatte sich verzogen. Wieder fuhren wir durch eine schöne Landschaft, die aber Radsportlich sehr anspruchvoll war. Kurz vor der Grenze wurde es dämmerig. Wir mussten uns schnell ein Hotel suchen. Gefunden haben wir keins. Dafür wurden wir von einem jungen Mann an eine „Chata„ (Jugendherbergsähnlich) vermittelt. Der nette Herr hatte allerdings schon ein paar Bier zuviel ge-trunken. Doch die Chata gab es wirklich. Unser Vermittler war auch schnell da. Nach einigen Bieren wurde nach unserem Interesse an Damen gefragt. Alles etwas dubios. Mit dem Hinweis auf 145 km Radfahren konnten wir die Diskussion aber beenden. In einem 8-Bettzimmer, Preis 12,00 € für uns alle, haben wir dann gut geschlafen.
Freitag 31. 08. Turzovca – Kromeritz 117 km
Nachdem wir am morgen den Weg zur Grenze gefunden hatten, waren wir nach 8 km in Tschechien. Der Landesteil Mähren begrüßte uns mit steilen Anstiegen und langen Abfahrten. Landestypische Häuser und Kirchen luden zur Besichtigung ein. Wahrscheinlich haben wir zuviel auf die Landschaft und die Kirchen geschaut. Denn plötzlich war es passiert.
Helmut, Wolfgang und Josef lagen im „Dreierpack„ auf der Straße. Schürfwunden und etwas Sachschaden waren das Ergebnis. Alles konnte mit Bordmitteln aber wieder in Ordnung gebracht werden. Am Nach-mittag erreichten wir dann Kromeritz. Wieder mal ein „Weltkulturerbe„.
Die Besucher von Kromeriz/Kremsier zieht immer wieder das Rathaus mit seinen ungewöhnlichen Uhren in ihren Bann. Im südlichen Zipfel des Marktplatzes steht der 84 Meter hohe Turm des Kremsierer Schlosses - das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt. Sehr bekannt ist auch der Abgeordnetensaal, in dem im Jahre 1848 der konstituierende Reichstag der österreichischen Monarchie abgehalten wurde. Am Abend erlebten wir dann ein internationales Militärkonzert, das alle 2 Jahre hier statt findet. Auffällig war die Unauffälligkeit der teilnehmenden Bundeswehr-kapelle. Gegen die Fantasieuniformen von Italienern und Rumänen fielen sie doch stark ab. Den Abschluss des Abends bildete ein unglaubliches Feuerwerk. In der Länge und Größe hatten wir so etwas noch nie gesehen. Nachdem wir unsere Wunden vom Nachmittag gepflegt hatten, ging es „im besten Haus am Platz„ ins Bett. Die Fahrräder übernachteten an der Rezeption.
Samstag 01. 09. Kromeritz - Mikolov 121 km
Der Tag begann mit Regen. Aber wir mussten auf´s Rad. Nach einigen Stunden kommt dann doch die Sonne durch und wärmt uns auf. Gegen Mittag erreichten wir Kyjov. Am Straßenrad deponierte Strohballen verwunderten uns etwas, als wir in das Stadtzentrum fahren. Bei der Ausfahrt folgte die Erklärung, wir wahren mitten in einem Motorradrennen gelandet. Aus Sicherheitsgründen lässt man uns nicht die Rennstrecke überqueren und wir sahen uns eine Stunde das Rennen an. Mit hoher Geschwindigkeit wurde von den Rennfahrern die Stadt umrundet. An einem Unfall durfte man hier gar nicht denken. Da ist mir die Fahrt mit meinem Reiserad doch lieber. Am Abend erreichten wir Mikolov. Eine Kleinstadt mit vielen historischen Sehenswürdigkeiten an der Österrei-chischen Grenze. Unterkunft fanden wir bei einer netten Dame, die uns eine kleine Ferienwohnung vermietete. Auf unseren Wunsch wollte sie sogar für ein Frühstück am nächsten Morgen sorgen. Nach Stadt- und Schloss-besichtigung , einigen Bieren und Mährischen Spezialitäten, ging es ins Bett.

Sonntag 02. 09. Mikolov – Gemünd (Österreich) 160 km
Das Frühstück unserer netten Vermieterin war überwältigend. Sie schleppte Körbe und Pfannen mit Speck, Eiern und Gurken in unser Apartment. Spontan erhöhten wir den Übernachtungspreis um einige Kronen. Mit vollem Bauch fuhren wir Richtung Österreich. Nach dem Grenzübergang ging es Richtung Westen, parallel zur Tschechischen Grenze, durch das „Niedere Weinviertel„. Uns hat es nicht gefallen. Flach und sportlich anspruchslos bot es keine Abwechslung. Da waren die Wälder und Hügel der Slowakei und Tschechiens doch schöner. Nach 160 km ereichten wir Gemünd, ein Grenzort zwischen Österreich und Tschechien. Unseren Plan, aus Kostengründen auf der tschechischen Seite zu übernachten, mussten wir aufgeben. Hier gab es kein Hotel, sondern nur Bordelle. Wir mussten zurück nach Österreich. Der Grenz-polizist konnte uns am späten Abend noch ein Hotel vermitteln.
Montag 03. 09. Gemünd (Österreich) – Horni Plana (Tschechien) 110 km
Der Tag begann nicht schön. Es wurde kälter und der Himmel war voller Regenwolken. Zum ersten mal auf dieser Tour mussten wir lange Radhosen anziehen. Nach 50 km erreichten wir Cesky Krumlov, (Česky Krumlov, von den Deutschen schon vor dem Zweiten Weltkrieg als Perle des Böhmerwaldes bezeichnet, hat heute den Zusatz Venedig an der Moldau. Die historische Altstadt ist durch die Lage am Eisernen Vorhang von Bausünden der letzten 60 Jahre verschont geblieben. So bildet sich ein einzigartiges Ensemble von historischen Bauten und landschaftlicher Schönheit. Wegen dieser Einzi-gartigkeit wurde sie zum Weltkulturerbe erhoben. In der Stadt besteht ein Wachsfigurenmuseum und ein Foltermuseum, ebenso das historische Schloss. Quelle: Wikipedia) schon wieder ein Weltkulturerbe. Eine interessante Stadt, deren Besuch sich auf jeden Fall lohnt. Leider haben das auch hunderttausende anderer Touristen bemerkt. Nach einer ausführlichen Besichtigung ging es weiter Richtung Süden. Jetzt begann es auch zu regnen. In Horni Plana am Lipno Stausee ( hier wurde der Dichter Adalbert Stifter geboren) suchten wir uns ein Hotel. Den Abend verbrachten wir in einer urigen und warmen Kneipe, trotz fehlender tschechischer Sprachkenntnisse haben wir uns wunderbar mit den Einheimischen unterhalten.
Dienstag 04. 09. Horni Plana (Tschechien) – Passau (Deutschland) 60 km
An diesem Morgen konnten wir mit einer kleinen Fähre Richtung Österreich übersetzen. Ein riesiger LKW der auch an der Anlegestelle wartete, machte uns wegen des Missverhältnisses Fähre- LKW etwas Sorgen. Aber irgendwie schaffte es der Kapitän alle heile an das andere Ufer zu bringe. Nach 10 km waren wir in Österreich und wieder im Regen. Bei einer Regenpause in einer Bus-haltestelle fiel der Entschluss (nicht ganz einstimmig), von Passau aus mit der Bundesbahn nach Hause zu fahren.
Einige km vor Passau ereichten wir die Donau. Auf dem Donau-Radweg fuhren wir in die Innenstadt von Passau. Eine günstige Übernachtung fanden wir bei einem Bäckermeister, der nebenbei noch ein jugendherbergs-ähnliches Hotel betrieb. Ein sehr origineller Mann, mit dem wir uns lange unterhalten haben. Für 8,99 € konnten wir bei ihm schlafen. An diesem Nachmittag blieb uns viel Zeit für eine ausführliche Stadtbesichtigung (mit Regenschirm), den Kauf von Fahrkarten (doppelt so teuer wie der Flug von Dortmund nach Krakau) und die Erkundung einer Frühstücksmöglichkeit für den nächsten Morgen.
Dienstag 09. 09. Passau – Soest 0 km mit dem Rad, ellenlange Fahrt mit der Bundesbahn
Um 9.20 Uhr sollte unser Zug vom Bahnhof abfahren. Es blieb noch Zeit für ein Frühstücksbüffet in der Bahnhofs-gaststätte. Bei einem Preis von 4,50 € hat der Wirt an diesem Tag wohl einen Verlust gemacht. Der von uns gebuchte IC fuhr über München, Frankfurt, Köln und Hagen dann doch schließlich nach Soest. Um 23.00 Uhr waren dann alle wieder zu Hause. Trotzt der, zum Ende der Tour, widrigen Wetterverhältnisse haben wir schöne Landschaften gesehen, interessante Städte besichtigt und viele freundliche Menschen kennengelernt.