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2001-2006

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Reisebericht des RSV-Hansa Soest



Teilnehmer: Heinz-Theo König , Wolfgang Korz, Helmut Subroweit

Nachdem, in gleicher Konstellation, schon 1999 Nordpolen – Masuren – Danzig – Kaschubei besucht wurde, sollte nunmehr die Fahrraderkundung in das süd-östliche Polen gehen.

Reiseroute:

Soest-Dresden: Anreise per Zug, ab Dresden : Tschechien: Riesengebirge (Schneekoppe), Polen: Schlesien, Strzelce Opolskie, Krakau, Karpaten: Hohe Tatra, Pieniny Nationalpark, Beskiden, Przemysl (ukrainische Grenze). Zurück Przemysl-Soest per Zug (24 Std.)

24.08.- 7.09.01

1. Tag: Soest-Dresden Zugfahrt, Übernachtung bei Freunden (Villenviertel Weißer Hirsch, bekannter Dresdner Vorort mit prächtigen Villen aus der Gründerzeit, wurde vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg verschont), abends fach- und sachkundige Führung durch unsere Dresdner Freunde in die eindrucksvolle, hell angestrahlte Innenstadt mit grandiosem Panorama des inzwischen fast vollständig wieder aufgebauten Ensembles der barocken Bauten (Schloß, Zwinger, Semper-Oper u.a). Imposant auch der Wiederaufbaufortschritt der mächtigen Frauenkirche. Dresden beeindruckte die Teilnehmer von Atmosphäre und Anblick bei schönstem Sommerabendwetter.

2. Tag: Dresden-Liberec (Tschechien). Über die weithin bekannte Elbebrücke, dem „BlauenWunder“, ging es Entlang dem Elbe-Radweg flußaufwärts bei herrlichem Sonnen-Wetter, lieblichen Weinhängen endlang, vorbei an Schloß Pillnitz , dem Elbsandsteingebirge mit Blick auf Bastei, weiter Richtung Grenze Begegnung mit Festung Königsstein. Vor der Grenze trafen wir zwei junge und kernige MoutainBikerr, die nach Kroatien wollten. Ich finde, wir konnten uns mit unserem Reiseziel: Grenze zur Ukraiene auch gut sehen lassen! Nach dem Grenzübertritt nach Tschechien folgten wir der Elbe noch bis nach Decin, zuvor Elbübergang mittels einer handbetriebenen Fähre. Abends Eintreffen in Liberec, dem ehemaligen Reichenberg, wiederum ein schöner Sommerabend bei Budweiser und Pilsener Urquell und böhmischen Spezialitäten auf dem urigen Marktplatz (160 km Fahrradetappe)

3. Tag: Liberec-Spindleruv Mlyn (Spindler Mühle) am Fuße der Schneekoppe (85 km). Unterwegs heftige Gewitter- und Hagelschauer wurden teilweise in Bushaltestelle und in netter Gaststätte bei auf dem Herd angerichteten Baudenkaffee verbracht, nachdem das heftige Gewitter für einen Totalstromausfall sorgte. Die uns von dem freundlichen Wirt angebotenen und selbst angefertigten Schneeschuhe, mit denen er nach eigenem Bekunden selbst Extrem- Expeditionen ausgerüstet hatte, konnten wir leider nicht mitnehmen, da wir dafür auf unserer Tour keine unmittelbare Verwertung hatten. Ankunft am abend in Spindler Mühle im Nieselregen. Eine wunderschöne Pension mit wiederum herzhaftem böhmischen Essen entschädigte uns für den regnerischen Tag.

4. Tag: Fußwanderung Spindler Mühle – Schneekoppe (Snezka 1.603 m, 25 km) bei schwül heißem Wetter durch die sagenumwobene Landschaft Rübezahls. Hier bewiesen die Rennfahrer des RSV Hansa Soest auch zu Fuß ihre Bergtauglichkeit. Die eigene Belohnung der Wanderer erfolgte dann durch ein wunderbar schmeckendes Bier in landschaftlich herrlich gelegenen Bauden. Von der Schneekoppe zurück ging es auf einem steilen Berggrat auf der Grenze zu Polen, der immer wieder atemberaubende Ausblicke eröffnete.

5. Tag: Sp.Mühle-Nysa (Neiße) (190 km). Wir entschlossen uns, nachdem der Pensionswirt und mitteilte, daß er eine Nacht in Polizeigewahrsam verbrachte, nicht den inoffiziellen Grenzübergang nach Polen (Hirschberg/Jelena Gora) zu benutzen, sondern weiter südlich in Nachod , um dort nach Polen über Klodzko (Glatz) einzureisen. Wir erreichten schließlich mit wunderbarem Rückenwind die historisch für Schlesien bedeutsame Stadt Nysa (Neiße) durch das hügelige Glatzer Bergland, in das verschiedene Gebirgszüge hineinreichen. Das Zentrum von Nysa wurde am Ende des 2. Weltkrieges stark zerstört. Das gewaltige Kirchenschiff der St. Jakobus- und St. Agnes-Kirche blieb uns in nachhaltiger Erinnerung.

6. Tag: Nysa-Strzelce Opolskie (Groß Strehlitz) (85 km). Ein erster Höhepunkt bildete der Besuch der Soester Partnerstadt mit Empfang beim Bürgermeister Krzysztof Fabianowski. Die herzliche Aufnahme und Betreuung durch Krzysztof Kobylainski und Lidia Dawid werden wir nie vergessen. An dieser Stelle wollen wir herzlich alle in Soest die kennen, von Karol Mutz grüßen. Herr Mutz ist Vertreter der deutschstämmigen Minderheit. Wir werden sicherlich Lidia auf dem Soester Weihnachtsmarkt in diesem Jahr wieder begrüßen und versuchen, uns für die Gastfreundschaft nochmals zu bedanken. Uns beeindruckte, mit welcher Selbstverständlichkeit unserer polnischen Gastgeber uns Deutsche aus dem fernen Soest begrüßt und aufgenommen haben. Als Ausdruck der Verbundenheit mit der Partnerstadt Soest wurde uns ein Bildband aus Strzelce nach Hause übersandt mit einer persönlichen Widmung des Bürgermeisters, der die Verbundenheit zu Soest und zu Deutschland ausdrückte mit dem Zitat „Glück und Freundschaft sind zwei der nettesten Wort. Als Beweis der Erinnerung behalte dieses Buch“. Unser Besuch in Strzelce Opolskie war auch offensichtlich der heimischen Presse wichtig genug, einen kleinen Bericht über unsere Reise nach Polen zu verfassen.



7. Tag: St.O.-Wolbrom (Krakow/Krakau) (140 km) Wiederum bei schönem Sonnenwetter führte uns nun die Reise zu einem weiteren Höhepunkt, der alten polnischen Jagiellonen-Königsstadt Krakau. Krakau ist wohl die schönste polnische Stadt, sie war dem 11. Jahrhundert Sitz der polnichen Könige und mehrere Jahrhunderte lang die Hauptstadt Polens. Krakau war Weltkulturstadt des Jahres 2000. Der Wawel, 25 m über der Weichsel gelegener Schloßberg dominiert die Sihouette der Stadt. Er ist Königssitz mit Krönungskathedrale. Der genannte Wawel, der Marktplatz mit den Tuchhallen und der Marienkirche sowie das alte jüdische Stadtviertel Kazimierz, das auch noch heute von einer imponierenden Lebendigkeit überzeugt, als Beispiel eines funktionierenden städtischen Quartiers, gehörten zum Programm. Selbstverständlich ließen es sich die drei Fahrradreisenden nicht nehmen, die Geheimnisse der Krönungskathedrale von einer besonders charmanten deutschsprachigen polnischen Fremdenführerin zeigen zu lassen! Nicht unerwähnt soll bleiben, daß wir auch hier zwei Nächte bei überaus herzlichen und gastfreundlichen polnischen Freunden verbringen durften und so die deutsch-polnische Verbindung trotz Sprachbarrieren weiter ausbauen konnten. Die polnische Küche mit Lagerfeuer und Kapusta-Essen gehörte zu den kulinarischen Höhepunkten dieser wunderschönen Tage in Krakau und Wolbrom.

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8. Tag: Stadtbesichtigung Krakau

9. Tag: Wolbrom (Krakau) – Niedzica (Pieniny-Nationalpark) (180 km). Sportlich wohl die „Königs-Etappe“ dieser Tour, wobei in Krakau auch noch ein fast Straßenbahn-Unfall bei regennasser Straße überstanden werden mußte. Leider Verblieb keine Zeit für einen Besuch des weltbekannten königlichen Salzbergwerkes Wieliczka. Immerhin blieb von hier per Postkarte einen Gruß nach Hause zu schicken. Wieliczka lag immerhin auf unserer heutigen Route. Die sportliche Herausforderungen dieses Tages bestand, den Anstieg in Richtung Hohe Tatra (Zakopane) zu bestehen, wobei einige Höhenmeter zu meistern waren. Entlohnt wurden die drei von der herrlich gelegenen Burg Niedzica am Fuße des Pieniny-Gebirges, als idealer Ausgangspunkt , unmittelbar an der Grenze zur Slowakai liegend für den nachfolgenden Fahrradtag entlang des Dunajec-Flusses.



10. Niedzica – Novy Sacz ( 80 km). Der Pieniny-Nationalpark gehört zu den Westkarpaten, bekannt und ein besonderes Erlebnis ist sicherlich die Fahrt mit dem Floß auf dem Dunajec, der hier das Pieniny-Gebirge auf einer Länge von 10 km durchbricht. Die Flöße werden hier von den Goralen, so nennen sich die Menschen in diesem Teil der Karpaten, betrieben. Noch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts flößten sie auf dem Dunajec Holz und Waren. Wochenlang waren die Männer unterwegs, über die Weichsel fuhren sie bis zur Ostsee. Von jeder Fahrt brachten sie eine Muschel mit nach Hause, die sie sich dann an den Hut steckten. So konnte jeder sehen, wieviele Touren ein Flößer schon hinter sich hatte. Heute besteht die Ladung der Flößer aus Touristen. Es ist nicht übertrieben, wenn man die Fahrt durch den Dunajec-Durchbruch als touristischen Geheimtip bewertet, auch für uns Fahrradreisende ein äußerst lohnender Weg, da von dem in der Slowakai liegenden Cerveny Klastor (Rotes Kloster) ein wunderschöner Radwanderweg neben dem Dunajec auf slowakischem Gebiet verläuft. Im übrigen ist dies eine deutsche Gründung von Karthäuser-Mönchen im 14. Jahrh., ebenso der angelegte Fahrweg, den wir nun benutzen konnten. Der Dunajec wird sowohl von slowakischen als auch von polnischen Flößern benutzt, der Fluß ist hier Grenzfluß, der dann nach Polen fließt. So hatten wir es auch relativ leicht, trotz schlechten Wetters, den Dunajec abwärts nach Novy Sacz zu gelangen.

11. Tag: N.S. – Dukla / Dukla-Pass (130 km). An diesem Tag ging es weiter ostwärts an den nördlichen Hängen der Beskiden entlang. Die Landschaft beeindruckte durch ihre Ursprünglichkeit, der „Menschenleere“, charakteristische Holzkirchen lagen am Wegesrand. Die langgestreckten Straßendörfer mit einer ausgeprägten landwirtschaftlichen Nutzung herrschten vor. Eine beeindruckende weiträumige mit Wäldern und Wiesen durchsetzte Landschaft begleitete uns. An diesem Tage hatte wir mit reichlich Gegenwind aus südöstlicher Richtung zu kämpfen. In Dukla hatten wir die Begegnung mit einem leibhaftigen polnischen Senator, Tadeusz Sosnowski, Kandidat der polnischen Bauernpartei, der sich hier auf Wahlkampftournee befand und uns hilfreich bei der Suche nach einer Übernachtung unterstützte mit anschließendem Autogramm und Fototermin, versteht sich. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß wir Herrn Senator später 200 km östlich an der ukrainischen Grenze wieder trafen, nicht ohne daß er uns wieder wertvolle Tips für Unterkunft und Kultur gab. Eine wahrhaft politische Reise, Herr Senator gab uns vehement zu verstehen, wie der doch Deutschland und seine Menschen schätzen würde, wie auch wir Herrn Sosnowski versicherten, vom polnischen Land und seinen freundlichen Menschen beeindruckt zu sein. Dukla-Pass: Wir hatten gelesen, daß der Dukla-Pass im zweiten Weltkrieg im Herbst 1944 heftig umkämpft war. Dort hatte eine der größten Schlachten des 2. Weltkrieges stattgefunden. Ein Mahnmal und Reste von Kriegsmaterial befinden sich hinter der Grenze in der Slowakei: ein merkwürdiger Anblick, auf einer Wiese ein Flugzeug anzutreffen. Für den historische interessierten: die Schlacht war nutzlos wie alle Schlachten!, da wenig später der Übergang über die Karpaten durch den Seitenwechsel der Rumänen für die Sowjet-Union frei wurde.

12. Tag: Dukla – Polanczyk (120 km). Durch Fahrt bei heftigem Gegenwind und sonnigem Wetter durch wunderschöne Wald- und Berglandschaft der östlichen Beskiden (Bieszczady). Die B. sind eine Mittelgebirgslandschaft mit Höhen bis zu 1350 m, die auch zum Wandern einladen. Wir fuhren wiederum durch Orts-und Menschenleere überwiegend agraisch geprägte Landschaften. Die Bestellung der landwirtschaftlichen Flächen mit Pferden war keine Seltenheit! Abends kamen wir an unser heutiges Ziel dem Ort Polanczyk , der wunderschön an einer Talsperre liegt. Hier hatten wir das Glück, auch mit Hilfe der einheimischen Bevölkerung, gut deutsch sprechend! in ein wunderschönes Hotel mit schöner Aussicht über den See zu gelangen.