Sie sind hier:

2001-2006

RSV in den Alpen

Hollandtour

RSV in Polen

Radreise durch den Südosten Europas

2007

2008

2009

2010

2011

Allgemein:

Startseite

Impressum

Radtour Ungarn – Slowenien- Österreich – Deutschland vom 02. – 15. September 2006

Heinz-Theo König, Helmut Subroweit und Wolfgang Korz (Berichtverfasser) hatten sich in diesem Jahr für ihre Radreise den Südosten Europas als Ziel gewählt.

Am Samstag, den 2. September, ging es mit dem Flugzeug von Dortmund nach Budapest. Der Flug mit Easy jet klappte vorzüglich. Um 9.30 landete der Airbus mit uns und den Reiserädern auf dem Flughafen Feryhegy, 17 km außerhalb vom Stadtzentrum. Schnell waren die Räder ausgepackt. Vor uns waren wohl schon andere Radreisende gelandet und hatten ihren Radkarton in einer stillen Ecke deponiert. Unsere Verpackung wurde schnell dazu gestellt, die Pedalen angeschraubt, der Lenker gerichtet, die Reifen aufgepumpt und dann begann der Rückweg nach Soest. Von Fahrradinfrastruktur keine Spur, über belebte Straßen ging es zuerst in die Innenstadt von Budapest. Im per Internet gebuchten Hotel wurden die Räder abgestellt und dann die große Stadtbesichtigung gestartet. Buda und Pest mit allen Sehenswürdigkeiten wurden, diesmal zu Fuß, besucht. Nach gutem Essen und Trinken ging es früh ins Bett. Der erste Fahrradtag wartete.
Die 2 Millionenstadt auf dem Rad zu verlassen war nicht einfach. Angezeigte Radwege waren mehr Absichtserklärung als Realität. Aber am Sonntag hielt sich aber der Verkehr in Grenzen, so dass wir Budapest nach Süden, entlang der Donau, unbeschadet verlassen konnten. Nach einigen Kilometern wurde das Ufer der Donau verlassen. In einem großen Bogen fuhren wir durch in ungarische Tiefebene nach Norden, Richtung Balaton (Plattensee). Am östlichen Ufer, in Balatonkinese, fanden wir bei einem netten Ehepaar eine Ferien-wohnung für die zweite Übernachtung. Bevor es dunkel wurde konnten wir noch ein Bad im See nehmen. Unserem Vermieter brachten wir auch Glück, zum ersten mal nach zehn Tagen fing er wieder einen Fisch. Der nächste Tag brachte uns bei viel Sonne entlang des Sees in den bekannten Badeort Keszthely. Hier bekam Theo (bekennendes Mitglied der Kolpingsöhne) sein Schlüsselerlebnis auf dieser Tour. Ein Schild „Kolpinghotel“ mitten in Ungarn überraschte uns sehr. Alles was folgte auch, denn ein deutscher Kolpingverein hatte hier eine Hotellandschaft gebaut, die in diese ländliche Gegend gar nicht passte. Die Übernachtungspreise waren für Ungarn sehr gewöhnungsbedürftig. Alles wohl nicht im Sinne Kolpings. Wir übernachteten bei einer Bauernfamilie. Mit der Großmutter des Hauses haben wir uns gut unterhalten. Am nächsten morgen musste zuerst ein Frühstück organisiert werden, alles sehr improvisiert. Dann ging es Richtung Westen zur Slowenischen Grenze. Der Grenzübergang verlief problemlos. Der riesige LKW Verkehr überraschte uns. Auf kleinen Nebenstraßen konnten wir dann aber unser Tagesziel Ptuji erreichen. Sie ist älteste Stadt Sloweniens und liegt am Ufer der Drava. Die Altstadt steht unter Denkmalsschutz. Hier hatte Helmut sein Schlüsselerlebnis. Zum ersten mal trafen wir andere Radreisende. In diesem Fall mit einem Kleinkind von einem Jahr. Aufgrund der Zustände erwachte in ihm der Sozialarbeiter. Unser Ziel am nächsten Tag war die Sava. Diesem Fluss wollten wir bis Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens, folgen. Wir erreichten sie, nach der Durchquerung eines schönen Mittelgebirges, in Litija. Bis auf drei riesige Pizzen zum Abendessen ist von dieser Stadt nichts in Erinnerung geblieben. Der fünfte Reisetag brachte uns nach Ljubljana, mit 300 000 Einwohnern die größte Stadt Sloveniens. Die Altstadt mit ihren Barock- Jugendstilbauten war unser Ziel. Zuvor mussten aber die Plattenbauten der Vorstädte durchquert werden. Der Stadtkern überraschte mit seiner Schönheit dann doch. An der bekannten „Dreier Brücke“ habe ich dann zum ersten mal nach 20 Jahren wieder „Hara Krischna“ Brüder gesehen. Nachmittags ging es dann weiter, immer der Sava entlang, nach Bled, ein wunderbarer Ort am gleichnamigen See. Die Fünf Sterne Hotels wurden von uns verschmäht. Wir schliefen mal wieder auf einem Bauernhof. Am Abend musste dann doch noch ein Eis im ehemaligen Lieblingshotel Titos, heute ein Luxushotel, gegessen werden. Der abendliche Blick von der Hotelterrasse über den Bleder See wird uns in Erinnerung bleiben. Von nun an ging es bergauf. Die Alpen waren in Sichtweite. Über Kranjska Gora fuhren zum Wurzenpass, der Grenze zwischen Slowenien und Österreich. Aus Reiseberichten anderer Radreisenden hatte ich Furchtbares über diesen Pass gehört. Für uns waren die Steigungen aber kein Problem. Nach der Abfahrt landeten wir in Kärnten, nahe Villach. Erkennbar an den Wahlplakaten ( Mehr Rente und keine Asylanten). Haider ließ grüßen. Entlang der Gail fuhren wir nach Hermagor am Pressegersee. Auf Wunsch von Theo legten wir einen kleinen Abstecher in die Berge ein. Bergabstürze und nicht befahrbare Wege machten dies aber zu einem Abenteuer. Dafür war die Aussicht aber sehr schön (laut Theo). In Hermagor wechselten wir das Flusstal und weiter ging es durch das Glitschtal, Richtung Lienz und den Alpen. Als ein Reiterhof in Sicht kam, in dem auch Radfahrer übernachten durften, merkten wir doch die Höhenmeter des Tages in den Beinen. Schnell wurde eine Übernachtung und viel Abendessen gebucht ( auch Weizenbier). Ausgeruht fuhren wir am nächsten morgen nach Lienz und von da aus Richtung Großglockner. Einige Pässe, die wir überqueren mussten, bereiteten uns schon auf den nächsten Tag vor. Abends schliefen wir in Mörtschach. Ein abendlicher Rundgang führte uns zu einer Höhlengolfanlage. Sehr interessant, aber wie man da spielen konnte und musste haben wir nicht verstanden. Am nächsten Morgen begann, bei strahlendem Sonnenschein, für uns der Höhepunkt unserer Tour. Die Fahrt über die Großglockner Hochalpenstraße. Für Autos mautpflichtig, wir wurden durchgewinkt. In Heiligenblut begann der Anstieg. Zwischen 10 % und 18 % Steigung erwarteten uns auf den nächsten 20 km bis Hochtor auf 2500 m Höhe. Einige Steilstücke musste geschoben werden. Leider war Hochtor nicht die höchste Stelle der Straße (der Name ließ es vermuten). Nach einer nicht erwarteten Abfahrt, ging es noch einmal auf 2600 m zur Edelweißpitze. Hier war die Aussicht wirklich Fantastisch. Die höchsten Berge der Alpen lagen in Sichtweite. Abenteuerlich war auch die 20 km lange Abfahrt. Das Gepäck drückte ganz schön nach unten. Im Tal erwartete uns Zell am See. Auf schönen Radwegen erreichten wir Leogang. Im Winter ist hier angeblich viel Betrieb. Jetzt war in unserem Hotel nur der Rheumaverein aus Lippstadt zu Gast. Der nächste Tag brachte uns schon nach Deutschland. In Reit im Winkel überquerten wir die Grenze. Entlang der Tiroler Ache fuhren wir zum Chiemsee. An die vielen Autos und den Lärm mussten wir uns erst wieder gewöhnen. Mühldorf an der Inn sollte das abendliche Ziel sein. Zum ersten mal hatten wir Schwierigkeiten, ein Hotel zu finden. Alles war schon ausgebucht. Was wir nicht wussten ( 8 Tage keine Zeitung ), der Papst war in Altötting und alle Betten in der Umgebung belegt. Die Nacht verbrachten wir, nach viel Suchen und mit Helmuts Überredungskünsten, in einer „Kaschemme“. Bier und Essen schmeckten aber gut. Das nächste Etappenziel Regensburg mussten wir streichen, auch hier war der Papst. Über Landshut (sehr schöne Stadt) fuhren wir nach Kehlheim. Hier mündet die Altmühl in die Donau. Auf dem Altmühlradweg schafften wir es bis Beilengries. Vor dem Einschecken ins Hotel musste aber erst Radfahrer und Rad gesäubert werden. Der Altmühlradweg staubte bei unserem Tempo so, das ein Vergleich mit Zementwerkern der Wahrheit entsprach. Beim abendlichen Bier wurde beschlossen, die uns von anderen Radtouren bekannten Landschaften bis Soest, nicht mehr per Rad zurückzulegen. Die Bundesbahn übernahm den Rest der Reise. Am nächsten morgen radelten wir bis Neumark in der Oberpfalz (nähe Nürnberg). Abends um 20 Uhr waren wir wieder zuhause. 1500 km und 14 Tage hatten wir hinter uns. Nur Sonnenschein, kein Defekt und viele schöne Begegnungen mit anderen Leuten werden uns lange in Erinnerung bleiben.
(Autor: Wolfgang Korz)